Emotional Cheating
„Liebling, glaub mir, es war doch gar nichts!“ Sollte man von seinem Partner diese eindringlichen Worte hören, wenn man ihn wegen des Verdachts auf einen Seitensprung zur Rede stellt, ist es höchste Zeit, aufmerksam zu werden.
Zunächst einmal glaubt man dem Partner, dass wirklich nichts war. Aber was ist eigentlich damit gemeint? Es gab keinen körperlichen Kontakt, kein Küssen, kein Streicheln, keinen Sex. Was war aber dann? Reden, Lachen, Glücklich sein? Das ist kein Grund, sich beruhigt zurückzulehnen, sondern eher die Vorstufe zur Alarmstufe Rot. Das gilt auch dann, wenn man sich absolut darauf verlassen kann, dass der Partner keinen körperlichen Bruch der Treue vollziehen würde. Paare, die sich absolut die Treue halten und keinen körperlichen Kontakt mit anderen Personen haben, laufen trotzdem Gefahr, sich wegen einer dritten Person zu verlieren. Wenn es soweit kommt, dass einer von beiden in Gedanken ständig bei jemand anders ist, alle wichtigen Dinge lieber mit dem Dritten bespricht und jede Gelegenheit nutzt, mit ihm oder ihr Kontakt aufzunehmen, findet auch eine Art Betrug statt. Emotional Cheating nennt man das, wenn man seine Gefühle in eine Richtung lenkt, die aus der Beziehung heraus führt. Sicherlich, bis jetzt ist nichts passiert, was man allgemein unter Fremdgehen versteht. Aber der Schritt zur körperlichen Nähe ist nur noch klein, wenn man sich seelisch bereits nahe fühlt. Was soll man also tun, wenn der Partner sich mit jemand Anderem trifft, ohne dass „was ist“? Jetzt ist es an der Zeit, sich umso mehr um die Beziehung zu bemühen. Vielleicht überlegt man sich, was dem Partner eventuell fehlen könnte, um glücklich zu sein. Falls man sich in der Lage sieht, dieses Defizit auszugleichen, hat die Beziehung gute Chancen. Vielleicht aber vertraut man dem Partner und kann ihm diese kleinen Freiheiten lassen, außer Haus zu flirten.

